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WIE WIRD MAN NERF MODDER
1973-Nov 21st
CLASSIFIED – EYES ONLY

 

INTERVIEWER
SUBJECT

 

… und dann haben Sie einfach angefangen, ja?

Nicht doch, Lady. Das hatte alles eine Vorgeschichte.
(rollt mit den Augen und signalisiert Desinteresse am Gespräch)

Das macht mich allerdings neugierig. Geben Sie’s zu Protokoll.
(notiert lieblos auf einem Stück Papier einige Stichworte; skizziert gelangweilt ein Pferd.)

Ich habe das alles nicht ganz freiwillig getan. Zumindest zu Anfang.

Zu Anfang?

Ja, zu Anfang. Alles hat einen Anfang. Mein Anfang war bei den Truppen. Ich gehörte zum Miniaturen-Regiment, drüben in Nova Scotia. Wir waren zum Bemalen der Flotte eingesetzt.

Aha.
(skizziert abwesend weiter am Pferd rum; fügt ein Einhorn hinzu)

Aber dann stand eines Tages dieser Typ vor mir. Irgend so ein aufgeblasener Offizierspinkel. Hat was von neuer Technologie  gefaselt. Wichtige Neuerungen, Befehl von ganz oben, das ganze Bla-Bla. Sie wissen schon.
(fixierender Blick auf die Hände der Interviewerin.)
Schreiben Sie das alles auf?

Äh, klar. Und was kam dann?
(das Einhorn kriegt Rollschuhe)

 Naja, ich habe meinen Marschbefehl gekriegt und war dann der neu gegründeten Task Force “PF” zugewiesen. Das steht für “Plunger” und “Flywheel”. Wie sich rausstellte der neueste Spielkram von der Rüstungsindustrie. Bahnbrechende Fortschritte in der Leichtschaumballistik, wenn man den Handzetteln glauben durfte. Jedenfalls hat man von mir verlangt, meine Erfahrungen aus dem Miniaturen-Regiment dort irgendwie einzubringen.

Aber in Ihrer Akte steht, dass Sie schon früher mit ähnlichen Technologien zu tun hatten. Hier steht eindeutig, dass Sie mit Softa…
(wird harsch unterbrochen)

Ruhe! Das gehört nicht da rein. Irgendwer muss einen Fehler gemacht haben, streichen Sie das raus.
(knibbelt nervös an den Fingerkuppen herum)

Nagut. Aber niemand wird unfreiwillig rekrutiert. Sie hätten doch sofort Versetzung beantragen können…

Lady, Sie wissen gar nicht, was das bedeutet. Wenn man zu einem neuen Job verdonnert wird, schmeißt man nicht einfach das Handtuch. Und wenn man erstmal …

… erstmal was?

Erstmal angefangen hat, dann packt einen so ein Gefühl.
(öffnet die Schachtel auf dem Tisch; holt einen Foamdart heraus)

 Was für ein Gefühl?
(hört auf zu skizzieren; Pferd und Einhorn haben Rollschuhe und Raketenantrieb)

Das Gefühl, sich steigern zu müssen. Zuerst fängt alles harmlos an – man zieht zwei, drei Projekte durch. Einfach damit die Vorgesetzten zufrieden sind. Aber dann fängt es an. Dieses Kribbeln. Man will mehr. Und dann schwingt es um.
(auffällige Redepause)

 (räuspert)

 Dann ist es kein Auftrag mehr. Keine Mission. Dann ist es … naja, man ist dann “drin”. Und dann kann man nicht mehr einfach aufhören.
(betrachtet den Foamdart in seiner Hand, rollt ihn hin und her wie ein Krebskranker seinen letzten Zigarettenstummel)

Sie haben dann immer weiter gemacht. Auch ohne Marschbefehl, richtig?

Richtig. Dann gab es kein Halten mehr. Ein Mod folgte dem anderen. Bis ich glaubte, alles gemoddet zu haben, was man kriegen konnte. Flywheels, Plunger, optische oder ballistische Mods – völlig egal. Es ging immer nur darum, das nächste Projekt zu starten. Viele blieben auch unvollendet liegen. Gestorbene Ideen und wirre Konzepte, die sich als unumsetzbar erwiesen. Es war reiner Wahnsinn.
(legt den Dart zurück in die Schachtel)

 Aber jetzt sind sie schon seit einigen Monaten weg davon, ja? Sie haben aufgehört, Ihren Frieden gefunden, sind rehabilitiert …

Nein, Ma’am. Das hört nie auf, egal was diese Eierköpfe von der Truppenbetreuung behaupten. Denn man bleibt es für immer, wenn man es erst einmal richtig geworden ist. Ein …. NERF MODDER.